Psychological Safety

Was zur Hölle ist Psychological Safety?

Robert Lüders  Posts  /

Psychological Safety

Psychological Safety

Was ist Psychological Safety?

Hast du das auch schon einmal erlebt?

Du sitzt in einem Meeting, vorne redet jemand, du verstehst es nicht, schaust links und rechts, alle nicken, du denkst, vielleicht ist das etwas, dass man wissen muss. Lieber im Nachgang recherchieren und nicht vor allen Fragen.

Anderes Beispiel gefällig? Du sitzt im Termin und möchtest eigentlich etwas sagen, doch irgendetwas hält dich zurück. Du weißt nicht genau was es ist, aber du sagst lieber gar nichts. Bloß nicht unangenehm auffallen.

Was dir in diesen Situationen gefehlt hat ist die sogenannte „Psychological Safety“, doch was soll das bitte sein?

Psychologische Sicherheit bedeutet den starken Glauben zu haben, dass man weder bestraft, noch bloßgestellt wird, wenn man Ideen oder Bedenken äußert, Fragen stellt oder Fehler begeht – so sagt es zumindest Amy Edmonson, jene Havard Professorin, die Psychologische Sicherheit und den dadurch gegebenen Effekt auf ein Teamgefüge untersucht hat, damals im Jahr 1999.

Na? Genauso schlau wie vorher? Lass uns ein anschauliches Beispiel durchgehen…

Ich möchte dir von einem Experiment erzählen, das an der Uni South Wales in Sydney stattgefunden hat, das sogenannte „Bad Apple Experiment“.

Vorteile von Psychological Safety

Jetzt ist es so, dass man sich fragen muss: Na toll, etwas, das nicht greifbar ist, ist das überhaupt notwendig oder einfach nur nett, wenn es da ist?

Um diese Frage zu beantworten müssen wir einen Blick über den Atlantik werfen, einen Blick zu Google.

Hier hat man sich gefragt, was macht unsere erfolgreichen Teams wirklich erfolgreich, welche Gegebenheiten sind die wirklich entscheidenden?

Hierfür startete Google eine Studie, die das Ziel hatte herauszufinden, was ihre erfolgreichsten Teams wirklich erfolgreich macht. Eine Studie, die sich über 2 Jahre lang hingezogen hat, eine Studie, in der über 180 Teams unter die Lupe genommen wurden, eine Studie in der pro Team über 250 verschiedene Datenpunkte erfasst, analysiert und ausgewertet wurden.

Und jetzt rate, welches als ausschlaggebendster Punkt für erfolgreiche Teamarbeit ausgemacht wurde: Richtig, „Psychological Safety“.

Es geht vielmehr darum ein bestimmtes Verhaltensmuster zu kultivieren, eine Neuorientierung des Denkens zu fördern, die es einer Gruppe ermöglicht sich wirklich sicher zu fühle, um dann Hochleistung erbringen zu können!

Es kommt also viel weniger darauf an welche Fähigkeiten ein Team besitzt und wie gut jede einzelne Person Experte im Fachgebiet ist, sondern viel mehr darauf an, wie sich diese Personen verhalten!

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Jetzt haben wir geklärt, warum es so essenziell ist „Psychologische Sicherheit“ zu haben, um erfolgreich zu sein, lass uns daher einen Blick darauf werfen, wie es eigentlich zu diesem Phänomen kommt.

Hierfür machen wir eine Zeitreise. Die moderne Gesellschaft, die wir kennen gibt es noch nicht wirklich lange, um genau zu sein, überhaupt nicht lange.

Den Homo Sapiens gibt es seit ca. 300.000 Jahren, die moderne Menschheit, und jetzt sind wir großzügig und behaupten ab dem Moment der Erfindung der Dampfmaschine, gibt es seit 300 Jahren.

Das sind 0.1% der Menschheitsgeschichte.

Davor war für uns jeder Moment im Alltag Gefahr.

Die Gefahr von Sebelzahntiegern aufgefressen zu werden, vom Mamut zertrampelt zu werden, von einem anderen Clan nachts überfallen und ermordet zu werden, unser gesamter Fokus lag darauf die täglichen Gefahren zu überleben.

Die einzige Möglichkeit dazu?

In einem „Safe Space“, nämlich indem wir uns mit anderen Menschen zusammenrotteten.

Wir bildeten also Gemeinschaften, die füreinander gesorgt haen, die nachts Wache standen am Feuer, dass der Rest schlafen konnte.

Was ist das Schlimmste, was dir in solch einer Situation passieren kann?

Richtig: Aus deiner Gemeinschaft verstoßen zu werden!

Denn wenn du aus der Gruppe ausgeschlossen wirst kommt das dem sicheren Tode gleich. Stellt sich die Frage: Wann genau wird man ausgeschlossen aus der Gruppe?

Ausgeschlossen wird man, wenn man Fehler begeht, wenn man auf einmal nicht mehr reinpasst in die Gruppe. Daher gilt: FEHLER VERMEIDEN wo es nur geht.

Und auch wir haben in unseren jüngsten Jahren dieselbe Erfahrung machen dürfen. In unserem Schulsystem liegt der Fokus darauf Fehler rauszustellen und diese möglichst zu vermeiden. Der Rotstift steht symbolisch hierfür.

Mit diesen Fakten im Hinterkopf werfen wir nun einen Blick auf unsere Arbeitsplätze:

„Hier wird niemandem der Kopf abgerissen, wenn man mal einen Fehler macht“, ein Satz, den man immer wieder hört. Doch reicht das aus? Nachdem wir 99,9% unserer Menschheitsgeschichte gelernt haben, dass es das wichtigste ist Fehler zu vermeiden, nachdem wir 20 Jahre in Schule und Universität gelernt haben, dass Fehler zu vermeiden sind, reicht da die Aussicht aus nicht den Kopf abgerissen zu bekommen, wenn man einen Fehler begeht, um Psychologische Sicherheit zu verspüren?

Nein! Wahrscheinlich nicht. Hierfür muss deutlich mehr geschehen, dass ein Gefühl der Sicherheit bei den Mitarbeitern entsteht.

An dieser Stelle sollten wir jedoch eine Unterscheidung treffen zwischen Sicherheit und Komfort, denn diese sind nicht ein und dasselbe.

Vielmehr laufen diese beiden Begriffe auf verschiedenen Achsen, Sicherheit und Diskomfort sind die Zustände, welche als erstrebenswert gelten.

Nur wenn wir uns sicher fühlen und uns aus unserer Komfortzone bewegen haben wir die Möglichkeit zu wachsen.

Vergleichen kann man dies mit einem Besuch im Fitnessstudio. Nur weil ich Proteinriegel esse und Sirup-Wasser schlürfe werde ich keine Muskeln aufbauen. Dies kann nur gelingen, wenn ich mir einen Fitness-Trainer zur Hilfe hole, der mich fordert (Diskomfort), mir aber auch das Gefühl von Sicherheit gibt (und kein Bodyshaming betreibt).

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Wie erhalte ich Psychological Safety?

Stellt sich nun also die Frage: Wie kann es gelingen Psychologische Sicherheit auch im eigenen Team zu fördern?

Hierbei handelt es sich sicherlich um eine schwierige „Leadership“-Aufgabe.

Zum einen muss ich mit gutem Beispiel voran gehen. Hierzu gehört unter anderem das aktive Einfordern von Feedback zur Arbeit. Ebenfalls muss ich zu meinen Fehlern offen und transparent stehen. Außerdem gilt es klar zu erwähnen, wenn jemand die Regeln der Psychologischen Sicherheiten bricht. Dies sendet ein klares Signal an den Rest der Gruppe, welches Verhalten akzeptiert und welches nicht geduldet wird.

Ein weiterer Schritt in Richtung „Psychological Safety“ ist das aktive Zuhören praktizieren. Aktiv zuzuhören bedeutet das Gesagte in den Worten des Sprechenden wiederholen zu können, sowie zu bemerken, welche Gefühle wohl in dem Gegenüber vorzufinden sind. Das Gegenteil wäre wohl darauf zu warten, dass man selber dran ist mitsprechen. Wann hast du das letzte Mal aktiv zugehört und nicht bereits gleich eine Antwort auf den Lippen gehabt, bevor du das Problem wirklich durchdrungen hast?

Generell geht es darum ein Umfeld zu schaffen, indem jeder Akzeptiert wird, ohne Vorurteile. Es ist ein schwieriges Unterfangen, da „Psychological Safety“ entsteht, wenn immer wieder an verschiedenen Stellen das förderlichere Verhalten an den Tag gelegt wird. Es ist etwas, dass im Alltag schnell vergessen werden kann, jedoch entscheidend ist für den Erfolg.

Im Endeffekt ist für „Psychologische Sicherheit“ keine besondere Expertise, noch anderes besonderes Know How von Nöten.

Es geht vielmehr darum ein bestimmtes Verhaltensmuster zu kultivieren, eine Neuorientierung des Denkens zu fördern, die es einer Gruppe ermöglicht sich wirklich sicher zu fühle, um dann Hochleistung erbringen zu können!

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